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VDT
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Interview

 

Räumliche Wiedergabe: Die neuesten Trends
auf der ICSA 2015

 

Interview mit den Machern der ICSA / 18. bis 20. September 2015 / IEM Graz

 

Die räumliche Wiedergabe von Ton hat in den letzten Jahren einen ganz neuen Aspekt hinzugewonnen: Die dreidimensionale Einhüllung des Zuhörers, die neben der Darstellung von rechts-links (reines stereo) und vorne-hinten (Surround-Sound) auch oben-unten (3D-Audio) umfasst. 3D-Audio kann eine räumliche Hörwirklichkeit schaffen, die dem natürlichen Hörerleben nochmals näher kommt. Die Einführung entsprechender 3D-Audioformate stellt hohe Anforderungen an die Produktionstechnik, die Distributionswege, aber auch an die Tonmeister und Toningenieure. Genau diesem weiten Feld widmet sich im September die ICSA, die dritte International Conference on Spatial Audio. Lesen Sie hier ein Interview mit den Machern der ICSA über die Trends und Entwicklungen in Spatial Audio.

Das Programm der ICSA ist online gestellt. Ein Saal (Orchesterprobenraum) widmet sich ausschließlich den Vorträgen, die in knapper Form über aktuelle Forschungen berichten. Welche Entwicklungen zeichnen sich darin ab? Kann man einen Trend erkennen?

Alois Sontacchi, Leiter des IEM in Graz, in dessen Räumen die ICSA stattfindet: Aus den Beiträgen lassen sich unserer Einschätzung nach einige Trends ableiten. Ergänzend zu den bestehenden kommerziellen Verfahren, die sich primär an der funktionalen Schallfelderzeugung orientieren, bestechen nun die theoretisch-systematische Verfahren mit interessanten neuen Produktionstools und einfachen Lösungen für den praktischen Einsatz. Zusätzlich zur Modularität und Flexibilität über genormte Anordnungen hinaus, sind diese auch in bestehende Verfahren integrierbar. Auch über Normierung hat man sich bereits Gedanken gemacht. Das Verschränken und Verbinden theoretischer Ansätze in Abhängigkeit der Aufgabenstellung und Rahmenbedingungen erscheint uns derzeit als bester gangbarer Weg.

Franz Zotter, stellvertretender Leiter des IEM: Die Beiträge zur Evaluierung und psychoakustischen Untersuchungen der erzeugten Schallfelder belegen zum einen die Ernsthaftigkeit, mit der das Thema 3D Audio in der Community behandelt wird und natürlich auch, wie hervorragend zum Teil einzelne Aufgaben gelöst werden können. Nichtsdestotrotz, die unmittelbare Vorführung und Demonstration wird umso wichtiger – erst der Vergleich macht sicher!

Die übrigen drei Säle (Theater im Palais A und B, Ligeti Saal) sind für praktische Demonstrationen und Workshops vorgesehen. Gibt es tatsächlich so viel vorzuführen?

Matthias Frank, Forscher am IEM: Ja, das war für uns auch von Beginn der ICSA-Planungen an ein wichtiges Ziel. Die Forschungsergebnisse und empirische Beobachtungen sollen nicht nur in einer sprachlichen, schriftlichen bzw. darstellenden Form kommuniziert werden, sondern auch unmittelbar individuell erfahrbar sein. Dazu haben wir drei Säle für das gemeinsame Hörerlebnis vorgesehen – und dieses Vorhaben haben die Referenten dankbar aufgegriffen: Wir können jetzt insgesamt zwölf Workshop-Themen anbieten! Außerdem nutzen wir diese technisch gut ausgestatteten Räume auch, um kurze Demos anzubieten, die Beispiele zu einem der Vorträge hörbar machen.

Früher war Spatial Audio ein kleiner Nischenmarkt. Heute füllt das Thema drei Tage lang vier Säle. Für wen ist dieser Fachbereich spannend?

Günther Theile, Vorstand und Programmkoordinator des VDT: Schon seit einigen Jahren steigt die Relevanz der räumlichen Darstellung von Ton stetig, und zwar in sehr vielen Bereichen der Audiobranche. Das ist auch der Grund, warum der VDT dem Thema mit der ICSA ein eigenes Symposium gewidmet hat. Dort können sich nicht nur die Wissenschaftler, die rund um Spatial Audio forschen, sondern auch die Anwender mit den Details und Konsequenzen von Spatial Audio beschäftigen. 

Alois Sontacchi: Ja, das Thema 3D Audio wird unweigerlich immer wichtiger. In der Unterhaltung müssen wir den Rückstand zur visuellen Komponente aufholen, um den Realitätsgrad auch auditiv erfahrbar zu machen. Zusätzlich erkennt man die Vorteile für praktische Anwendungen auch außerhalb der professionellen Audioszene immer mehr. Ein Beispiel ist die Telepräsenz [Videokonferenz über PCs, A.d.R.], bei der die Inhalte zusätzlich mit einer Richtungskomponente versehen werden, damit sich die Sprachverständlichkeit verbessert und die Kommunikation realistischer und weniger anstrengend wird. Die realistische Nachbildung von akustischen Umgebungen ist außerdem in der Forschung bei In-Situ-Versuchen von höchster Relevanz.

Matthias Frank: Wenn man bedenkt, dass die breite Masse mit Kopfhörer und mobilen, rechenstarken, medial leicht versorgbaren Geräten bestens ausgestattet ist, stehen bereits alle Voraussetzungen für mobiles Spatial Audio.

In welchen Bereichen steht dem 3D-Audio die größte Zukunft bevor? Wo wird sich diese Technologie etablieren?

Günther Theile: 3D-Audio in Kinos ist bereits Realität. Weltweit sind hunderte Kinos mit AURO-3D beziehungsweise mit Dolby-Atmos-Systemen ausgerüstet und bereits viele Filme entsprechend produziert worden. Natürlich wird sich diese Entwicklung im Bereich der Heimkinos fortsetzen, die Blu-ray Disc bietet schon jetzt die technischen Voraussetzungen für kommerzielle Programm-Distribution.  Für den Konsumenten wird die kopfhörerbasierte binaurale 3D-Darstellung besonders attraktiv sein, nicht nur als virtuelles Heimkino, sondern auch für die Wiedergabe von 3D-Inhalten über mobile Geräte. Einen wichtigen Markt wird es im Bereich der Spiele geben.

Es existieren verschiedene konkurrierende Systeme (WFS, Ambisonics, Auro) zur Wiedergabe von 3D-Audio. Zeichnet sich eine längerfristige Perspektive ab? Können wir damit rechnen, dass die Systeme parallel am Markt bleiben?

Franz Zotter: In der Lautsprecherwiedergabe unterschieden sich die Systeme vor allem im Hardwareaufwand und in den erzielbaren räumlichen Effekten. Dabei bedeutet ein großer Aufwand nicht automatisch bestmögliche Klangqualität. Die Auswahl des System ergibt sich aus den Rahmenbedingungen: verfügbarer Raum, bespielbare Publikumsgröße, verfügbarer Hardware. Für die Produktion ist daher erstrebenswert, Material für ein systemunabhängiges Format liefern zu können. Da die Kopfhörerwiedergabe hohe Marktrelevanz besitzt, muss ein solches Format auch die Wiedergabe über Kopfhörer unterstützen.

Günther Theile: Ich bin davon überzeugt, dass sich das Konzept der virtuellen Darstellung einer Lautsprecheranordnung auf Basis der Binauraltechnik im Markt etablieren wird. Die über Headtracking gesteuerten Kopfhörerverfahren erreichen eine nahezu perfekte Simulation einer realen Lautsprecherwiedergabe. Die praktischen Probleme der korrekten Lautsprecheraufstellung in der Wohnung entfallen und diese virtuellen Abhörräume erlauben eine hohe Flexibilität in der Wahl der Tonformate. Deren Anzahl ist im Prinzip unbegrenzt, alle Lautsprecherkonfigurationen für 3D-Audio, HOA oder WFS können dem Konsumenten zur Verfügung stehen.

Sind die klassischen 3-D-Produktionskonzepte kompatibel zueinander, also lassen sie sich von einem Format ins andere wandeln?

Günther Theile: Das Ringen um praktikable Lösungen und entsprechende Standards ist noch nicht beendet. Es gibt eine Standardisierungsgruppe der MPEG, die als Ziel den so genannten „MPEG-H Audio Standard“ hat. Dieser wird eine universelle Codierung von Kanal- und Objekt-basierten Mehrkanalverfahren beschreiben, inklusive Higher Order Ambisonics, sowie deren Wiedergabe über beliebige Lautsprecher-Konfigurationen und die binaurale Wiedergabe über Kopfhörer. Bei der letzten ISCA, die 2013 in Erlangen stattfand, hatten wir speziell zu diesem Thema eine spannende Diskussion, die Sie auf der VDT-Webseite www.tonmeister.de abrufen können.

Dieses Jahr steht die ICSA ganz unter dem Motto der Produktionskette für 3D-Audio. Welche Optionen gibt es für eine effektive Produktion in 3D und dem meist zusätzlich benötigten 2D?

Matthias Frank: Da gibt es so einige. Wir hier in Graz haben zum Beispiel nicht nur 2 permanente Konzertsäle mit Lautsprecherkuppeln, sondern bauen im IEM auch gerade unser 7.1-Produktionsstudio auf eine Lautsprecherkuppel um. Zudem verfügen wir über eine mobile Lautsprecherkuppel, mit der wir gute Erfahrung im europaweiten mobilen Einsatz gemacht haben. All das geht heute leichter denn je, allerdings muss man sich bei der Lautsprecheraufstellung schon auch anpassen können. Ein Downmix auf 2D, oder die Wiedergabe auf nur wenigen Lautsprechern ist da niemals ausgeschlossen.

Für die Produktion selbst gibt es viele hilfreiche Werkzeuge – von denen zahlreiche hier bei uns im IEM entwickelt wurden – und die als Plugins und Toolboxes im Netz frei erhältlich sind.

Welche Veranstaltungen der ICSA reizen Sie besonders?

Alois Sontacchi: Erstmals wird das 3D Audio Konzert der ICSA nicht nur vor Ort erlebt werden. Das Konzert wird übertragen vom Österreichischen Rundfunk terrestrisch für Kopfhörer und in 5.1 über Satellit. Radio France und BBC werden für Ihre HörerInnen online im Mehrkanalformat versorgt.

Günther Theile: Ich finde die Workshops sehr spannend. Sie bringen für bestimmte Verfahren über praktische Hörbeispiele zu Gehör, wie mögliche Lösungen und auch die Probleme der Aufnahme und der Mischung aussehen können und verdeutlichen so die Vor- und Nachteile. Außerdem freue ich mich darauf, den Mehrwert der Einbeziehung der Höhe für verschiedene Genres auch diesmal überzeugend demonstriert zu bekommen.

Manche VDT-Mitglieder wundern sich, warum die ICSA in Englisch abgehalten wird. Welche konkreten Gründe hatte die Sprachwahl?  

Alois Sontacchi: Die Konferenzreihe hat sich auf Englisch etabliert, weil die angewandte Europäische Forschung auf dem Gebiet traditionell eine Vorreiterrolle einnimmt. Das Thema wurde bisher durch das starke Engagement der Europäischen Rundfunkeinrichtungen für die räumliche Audiotechnik mitgetragen und auch laufend verwirklicht. Der internationale Kontext ist daher enorm wichtig.

Wir haben auch darauf geachtet, dass neben der deutschsprachigen Community auch die BBC und Radio France vertreten sein werden.

 

Über die ICSA 2015

Veranstaltungsdatum:  18. bis 20. September 2015

Veranstaltungsort:         Universität für Musik und darstellende Kunst Graz,

                                    Theater im Palais

                                     Leonhardstraße 15

                                     8010 Graz

                                     Österreich

 

Kontakt:

VERBAND DEUTSCHER TONMEISTER e.V.

Geschäftsstelle

Am Zaarshäuschen 9

DE - 51427 Bergisch Gladbach

Tel.: +49 2204 23595

Fax: +49 2204 21584

E-Mail: vdt@tonmeister.de

Web: www.tonmeister.de

 

Den Vorsitz der Konferenz führen Alois Sontacchi (IEM), Franz Zotter (IEM), Matthias Frank (IEM), Hannes Pomberger (IEM) und Günther Theile (VDT). Die Teilnahmegebühr beträgt 450,00 Euro inklusive Verpflegung. VDT-Mitglieder können zu einem vergünstigten Tarif von 320,00 Euro buchen. Studenten erhalten darüber hinaus weitere Ermäßigungen. Anmeldungen sind in der Zeit vom 20. Juli bis zum 13. September möglich. Die Hotelreservierung erfolgt über das Graz Convention Bureau. Konferenzsprache ist Englisch.

 

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