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ICSA 2017 war voller Erfolg  

ICSA 2017: Viel zu hören / Kunst und Wissenschaft / Mehr Teilnehmer

Die ICSA 2017 (International Conference on Spatial Audio), die sich vom 8. bis 10. September in Graz dem Thema Raumklang und 3D-Audio widmete, war ein großer Erfolg. Gegenüber der letzten ICSA im Jahr 2015, die ebenfalls in Graz abgehalten wurde, gab es sogar nochmals eine Steigerung der Besucherzahlen.

Die Räume der Kunstuniversität Graz boten den vielen Besuchern der ICSA die ideale Umgebung, sowohl von der akustischen und technischen Ausstattung, als auch vom allgemeinen Ambiente her.


Bereits zum vierten Mal lud die ICSA Experten aus Wissenschaft, Produktion und Technik ein, um drei Tage lang ausschließlich Belange rund um die dreidimensionalen Audio-Produktion und Wiedergabe zu erörtern. Das Interesse war groß, schließlich hat sich das ehemals theoretische Spatial-Audio-Forschungsgebiet der räumlichen Tonaufnahme- und Wiedergabetechnologien längst von der Grundlagen-Wissenschaft zum praxistauglichen Trend mit vielen Beispielen der künstlerischen Umsetzung für 3D-Audio und Virtual Reality entwickelt. Ob Musikaufnahme, Filmton, Audio für Games oder Toninstallationen in Museen – der Einsatzbereich von 3D-Audio ist auch in den letzten beiden Jahren noch universeller geworden. Selbst Consumer-Größen wie Facebook oder Youtube sowie Smartphone-Hersteller haben den 3D-Audio-Markt und dessen Relevanz für Ihren Absatz erkannt.

 

Viel zu hören

In 15 Workshops, 3 Demonstrationen, dem abendlichen IKO-Konzert und den Finalen des neuen 3D-Audio-Production-Wettbewerbs konnten die Besucher zahlreiche Audiobeispiele hören. Zum Beispiel im Saal des Theaters im Palais, das mit 16 Lautsprechern auf einer Halbkugel für bis zu 100 Personen eine dreidimensionale Wiedergabe geboten hat. Der große György-Ligeti-Saal des MUMUTH (Haus für Musik und Musiktheater der Kunstuni Graz) bot sogar eine Halbkugel aus 29 Lautsprechern für bis zu 200 Personen.

Der György-Ligeti-Saal diente auch als Austragungsort der Endausscheidungen des 3D-Production-Wettbewerbs. Das Interesse an den Produktionen war sehr hoch!

 

Die diesjährige ICSA widmete sich zudem verstärkt der binauralen 3D-Wiedergabe, für deren Demos und Workshops es einen zusätzlichen Raum mit 80 Kopfhörern gab.

Maria Cuevas-Rodriguez (Univ. Malaga) hält einen Workshop für ein Open-Source Tool-Kit für 3D-Audio Rendering. Die Ergebnisse werden über das VDT-Kopfhörersystem für 80 TeilnehmerInnen gleichzeitig erfahrbar gemacht.

 

Audioseitig wurden viele Aspekte des großen Themengebiets beleuchtet. Mit qualitativ hochwertigen, aufwändigen Produktionen überzeugten die Immersive-Audio-Beiträge des Wettbewerbs (die Gewinnerproduktionen werden unter vdt-icsa.de/audio-competition gezeigt).

Goda Marija Guauskaitė (Mitte,  Litauische Akademie für Musik und Theater) wird für Ihren Wettbewerbsbeitrag “Towards the Tone” mit „Gold“ in der Kategorie 1 (Zeitgenössische Musik und Computermusik) bei „Europe’s First Student 3D Audio Production Competition“ im Rahmen der ICSA ausgezeichnet.

 

Weniger die exakte Wiedergabe, denn die preisgünstige und einfache Verbreitung stand bei dem Projekt „Ambisonic Klangdome“ im Vordergrund, das eine praktikable 3D-Audiowiedergabe-Wiedergabe in einem kuppelförmigen Veranstaltungszelt vorstellte.

Jo Jauch (hier mit Violine) und Michael Romanov (nicht im Bild) zeigten auf dem Hof der Grazer Kunstuniversität einen Ambisonic Dome, eine preisgünstige 3D-Audio-Wiedergabeumgebung für Festivals.

 

Ein ganz anderer Ansatz war beim abendlichen IKO-Konzert, kuratiert und moderiert von Gerriet K. Sharma (Komponist / künstlerischer Forscher am IEM) zu hören: Die gleiche Higher-Order-Ambisonics-Technologie, die auch der 3D-Beschallung zugrunde lag, lockte hier differenzierte, bewegte Klang-“Beams“ aus einem kompakten ikosaederförmigen Lautsprecher-Array, mit deren vielschichtigen Reflexionen die Kompositionen den Raum erkundeten. Seinen Abschluß fand das Konzert in einem Stück, das die halbkugelförmige Saalbeschallung und die IKO-Klangskulptur in einen Dialog treten ließ – 3D-Audio von innen und außen.

 

Viel Produktionstechnik und IT

Die 3D-Audio-Produktionskette hat den Weg vom Experimentalstadion zum professionellen Workflow vollzogen. Die Zeiten, in denen nur ausgemachte Spezialisten in ihren MATLAB-Laboren 3D-Inhalte generieren konnten, sind definitiv vorbei. Viele verschiedene Software-Tools wie beispielsweise der IRCAM-Software Panoramix (ein kostengünstiges All-in-One-Werkzeug für die Mischung und Postproduktion), ihr kommerzielles Pendant SPAT Revolution, oder eine Spatial Audio Toolbox von b-com, mit der HOA Audioaufnahmen partiell geschnitten und bearbeitet werden können, waren in Aktion zu sehen und teilweise auch zu hören. Global Player wie Google waren mit 3D-Audio-Ansätzen für mobile Consumergeräte wie Smartphones oder Tablets vertreten. Das von der EU geförderte Projekt 3D-Tune-In präsentierte einen Ansatz für eine Open-Source-Library in C++ als Tool-Kit, mit dem richtungsgetreue Audiodarstellungen berechnet werden – zum Beispiel für Anwendungen in Spielen oder auch als Unterstützung von Hörgeschädigten. Eine ganze Vortragsreihe beschäftigte sich mit der Frage nach der korrekten Messung von kopfbezogenen Übertragungsfunktionen (HRTFs).

Dem wissenschaftlichen Vortragsprogramm war ein eigener, großer Saal gewidmet. Im Bild ist Chris Pike (BBC) bei seinem Vortrag über „Subjective Assessment of HRTF Interpolation with Spherical Harmonics“ zu sehen.

 

Weitere Themenkreise für die wissenschaftlichen Vortragssitzungen und deren praktische Anwendungsbeispiele waren Ambisonics, Loudspeaker Applications, Psychoacoustics and Hearing, Virtual Reality. Insgesamt etwa 50 Vorträge, Workshops und Vorführungen, die teilweise auch parallel stattfanden, haben die ICSA 2017 zu einer hochinteressanten und inhaltlich vielfältigen Veranstaltung werden lassen.

 

Viel Rundherum

Eine kleine Ausstellung von Herstellern und Entwicklern von 3D-Technologie rundete die Veranstaltung ab.


Die Firma sonible, bekannt durch kompakte Verstärker mit hoher Kanalzahl und Leistungsdichte, hat den IKO zur Marktreife gebracht und bietet ihn nun als Messwerkzeug und Kompositionsinstrument kommerziell an.


Dspecialists zeigte mit Polyverb einen neuen 3D-Faltungshall (englisch: 3D convolution reverberation), der in einer eigens aufgebauten Schallkabine vorgeführt wurde.

 

Ebenfalls Bestandteil des Gesamtprogramms waren neben dem schon erwähnten Konzert ein Empfang des Landes Steiermark am Abend vor Beginn der Konferenz und ein Festdinner am Samstagabend.


Robert Höldrich (IEM Institutsvorstand), Sandra Holasek (Abg. Landtag Steiermark, Assoz. Prof.  Inst. Pathophysiologie/Immunologie) und Alois Sontacchi (stellvertretender IEM Institutsvorstand) bei dem Empfang des Landes Steiermark am Vorabend zur ICSA 

 

Forschung und Praxis

Eine Besonderheit der ICSA in Graz ist sicherlich der Diskurs von künstlerischer Anwendung und wissenschaftlich-technischer Betrachtung. Teilweise suchen die Praktiker bereits nach Umsetzungen, deren wissenschaftliche Grundlage noch nicht gänzlich geklärt ist. Diese Kombination aus theoretischer Überlegung, wissenschaftlicher Forschung und künstlerischer Umsetzung ist die erklärte Mission der ICSA.

Das Grazer IEM gilt als einer der wesentlichen Forschungs- und universitären Aufführungsstätten im Bereich der räumlichen Audiotechnik. Durch seinen Fokus auf die 3D- Audiowiedergabe in Ambisonics stellte das lokale Organisationsteam mehrere halbkugelförmige Lautsprecheranordnungen in ausgezeichneter akustischer und technischer Qualität zur Verfügung, und mit dem VDT-Kopfhörersystem wurde ein Raum für die Binauraltechnik für 80 Personen eingerichtet. Die exzellenten kanal- und szenenbasierten Audiobeiträge der ICSA-TeilnehmerInnen lieferten unterstützt durch die professionelle und zeitlich gut strukturierte technische Betreuung beeindruckende Hörbedingungen, Gratulation!

Wenn man ein Gesamtfazit dieser Konferenz ziehen möchte, so könnte es heißen: „Die 3D-Audiowiedergabe auf kugeligen Lautsprecheranordnungen ist zum praktischen Medium Vieler geworden!“


Sie waren die maßgeblichen Planer der ICSA 2017: Matthias Frank (IEM), Markus Zaunschirm (IEM), Gisela Jungen (VDT), Günther Theile (VDT), Alois Sontacchi (IEM) und Franz Zotter (IEM).


Nach der ICSA ist vor der ICSA

Die nächste ICSA ist bereits in der Planung. Für 2019 konnte der VDT ein Team im Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie IDMT in Ilmenau gewinnen. Günther Theile, beim VDT für die Programmplanung verantwortlich, freut sich schon heute auf die kommende ICSA: „Die Location- und Team-Wechsel für die ICSA werden von allen Seiten grundsätzlich positiv gesehen. Verschiedene Institute gewährleisten mit ihrem Engagement natürliche Perspektivwechsel und inhaltliche Breite, die Kongress-Programme bieten unterschiedliche Ausrichtungen und thematische Schwerpunkte.“
 
Karlheinz Brandenburg (Leiter des Fraunhofer IDMT) kündigt den geplanten Umzug der ICSA für 2019 nach Ilmenau an


Stand: 26.09.2017

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