Früher brachte der Lärm die Menschen aus der Ruhe. Heutzutage ist es die Stille.

Ernst Ferstl
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Regionalgruppe Berlin

Aktuelles

Einladung zum Treffen am 16.6.2018 zum Funkamt Nauen

 

Exkursion nach Geithain und Mittweida am 26.April 2018

Früh in Berlin gestartet mit einem Halt in Leipzig, kam eine hochinteressierte Gruppe des VDT Berlin und Leipzig mittags in Geithain an, um die Firma Musikelectronic Geithain GmbH kennen zu lernen.

Nach einer kurzen Begrüßung durch Olaf August, Sales- und Project Manager, übernahm Markus Schmidt, Entwicklungsingenieur bei MEG, das Ruder und erläuterte uns die Entstehungs- und Erfolgsgeschichte dieses Unternehmens bis zum heutigen Tag.

                           

Bild 1: Olaf August                                  Bild 2: Markus Schmidt 

Am 5.Mai 1960 gründete Jochen Kiesler, gemeinsam mit zwei Uhrmachern und einem Rundfunkmechaniker die PGH „Fernsehen - Rundfunk - Uhren“. Er war leider bei unserem Besuch nicht dabei, da er noch im Urlaub weilte, sandte uns aber eine Videobotschaft. Das Unternehmen ist in einem alten Gebäude untergebracht, war einst Kloster, dann eine Kaserne von den Ulanen, einem Reiterbataillon der Kosaken, viel später dann ein Restaurant. In seiner Videobotschaft teilte uns Jochen Kiesler mit, daß er 1952 mit 13 Jahren den RIAS Berlin mit einem selbst gebauten Radio empfing. Das war der Beginn seines Interesses für diese Technik. Anfangs waren es nur ein paar Räume. Der heutige Gebäudekomplex existiert seit etwa 40 Jahren.

Anfangs befasste man sich mit Reparaturen von Radios und Fernsehgeräten. Bald jedoch fing man mit der Entwicklung von eigenen Geräten für den Studiobereich an, wie etwa dem Mikrophonvorverstärker TMV 1, den Ersten Mikrofonverstärker mit Transistoren in der DDR, der in großen Stückzahlen gefertigt worden ist. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits etwa 50 Mitarbeiter im Hause tätig. Alles wurde komplett selbst gefertigt.

Einen Jugendtraum erfüllte sich Jochen Kiesler, indem er begann, elektronische Orgeln zu bauen, eine einmanualige und eine zweimanualige. Die zweimanualige steht im Vorführraum des Unternehmens. Um möglichst echt klingende Register herzustellen, hat er in verschiedenen Kirchen Klangproben entnommen und diese analysiert.

Um 1980 herum kam der Entschluss, eigene Lautsprecher zu bauen, nachdem Jochen Kiesler beim Anhören von Händels Messias über einen Rundfunklautsprecher O 18 von dessen Qualität enttäuscht war. Das erste Produkt war ein Autolautsprecher, der UNI 15. Er ist jedoch außerhalb des Hauses im VEB Fernmeldewerk Arnstadt in hohen Stückzahlen gebaut worden. Die Produktion lief bis 1990. Insgesamt wurde 10 Millionen Stück hergestellt. Er erhielt seinerzeit das Gütezeichen Q. Der Erste Lautsprecher der DDR, der dieses Siegel verliehen bekam. Vier Jahre nach diesem Entwicklungsstart ist der erste Regielautsprecher, der RL 900 entstanden, der Einzug in den Rundfunk hielt. Gleichzeitig baute man aber auch für den Heimmarkt, u.a. den BR 25. Dieser Lautsprecher ist in einer Stückzahl von 650.000 gebaut worden und ist auch im westdeutschen Markt von der Fa.Conrad für 69,50 DM vertrieben worden.

Ein halbes Jahr vor der Wende 1989 hatte man großes Glück, als bei der ARD ein neuer Studiolautsprecher gesucht wurde. Der RL 900 durfte außerhalb der Konkurrenz daran teilnehmen und erhielt unerwarteterweise die besten Werte. Nach der Wende dann wurde er beim SWR als erster Sendeanstalt eingeführt. Der RL 900 wurde dann zum Standard-Lautsprecher in der ARD erklärt.

Bis heute ist man dem anfangs einmal erzeugten Prinzip treu geblieben, dass der Ton aus einem Lautsprecher möglichst punktförmig abgestrahlt werden soll. Zu diesem Zweck wird ein Mittel-Hochtongebilde vor den Tieftonlautsprecher montiert, das akustisch so angekoppelt ist, dass nahezu keine Beeinträchtigungen der Gesamtabstrahlung entsteht. Durch diese Konstruktion ist Musikhören weniger anstrengend.

2002 ist die Bassniere entstanden, ohne einen zweiten Lautsprecher realisiert, einzig und allein durch die Konstruktion, insbesondere der Schallführung innerhalb des Gehäuses. Der auf der Rückseite des Systems abgestrahlte Schall wird durch einen geeigneten Strömungswiderstand zeitlich so verzögert, dass es zu einer Auslöschung auf der Rückseite des Gehäuses kommt.

Für Hoch- und Mitteltöner setzt MEG seit etwa 20 Jahren als Magnetmaterial Neodym ein. Durch einen enormen Preisanstieg bei seltenen Erden vor etwa 8 Jahren durch China, woher das Material Neodym stammt, hat man sich entschlossen, bei Tieftönern weiterhin mit Ferritmaterial zu arbeiten, da deren Eigenschaften sich enorm verbessert haben und somit hohe Induktionen erreicht werden können. Mit Neodym kann man zwar hohe Feldstärken erzeugen, aber dadurch wird es weniger temperaturfest.

Als Membranmaterial setzt man bei Hochtönern in der Regel eine Aluminium-Magnesium-Silizium- Legierung ein, bei Tief- und Mitteltönern klassisch zu 70% Papier und etwa 20% Polypropylen, wobei die Steifigkeit durch Formgebung erhöht wird. Eine gute Anpassung an die Sicke, um möglichst Biegewellen zu minimieren, ist dabei eine Art kleines Kunststück.

Bis auf die Gehäuse wird im Prinzip nahezu alles andere im Haus hergestellt.

Eine Besonderheit bei MEG ist, dass nahezu alle Lautsprechertypen heute noch repariert werden können, auch etwa der RL 900, auch wenn er bereits mehr als 30 Jahre alt ist.

Der anschließende Rundgang startete mit einem Blick ins Büro von Jochen Kiesler, das einst der erste Abhörraum war, heute auch ein kleines Museum darstellt. In der Mitte des Büros ist ein „Tesla-Transformator“ zu bestaunen, bestehend aus einem quadratischen Gestell und einer ober aufgesetzten Metallkugel, der noch in Funktion ist. Nach dem Einschalten strahlt er Blitze bis zu einer Entfernung von etwa 1,20 m aus, weshalb man einen entsprechenden Sicherheitsabstand einhalten muß. Dieses Gerät kann man u.a. zur Prüfung der elektromagnetischen Verträglichkeit von Lautsprechern einsetzen.

 

Bild 3: Büro von Jochen Kiesler als kleines

           Museum mit einem Tesla-Transformator

Danach ging es zum ersten und wichtigsten Raum der Produktion, in dem kleine und mittlere Geräte gefertigt werden. Einige dort verarbeiteten Teile wurden uns auf einem Tisch zum näheren Beschauen zusammengestellt, wie etwa ein Hochtonarray mit einem Öffnungswinkel oberhalb 2 kHz von etwa 10°. Auch die Hochtöner werden als dynamische Lautsprecher hergestellt. Piezo-Lautsprecher kommen nicht in Frage, da bei ihnen die Kristallstapelverformung ausgenutzt wird, die sehr unlinear mit vielen Verzerrungen ist. Neben einigen Produktteilen aus der Lautsprecherfertigung war auch ein elektrodynamischer Antrieb aus der Medizintechnik ausgestellt, der als Pumpe für eine Beatmungsmaschine für Frühgeburten dient.

Ferner waren einige elektronische Komponenten zu sehen, die ebenfalls im Hause selbst gefertigt werden, ebenso Lautsprecherweichen für Passivsysteme.

Weiter ging es zum reflexionsarmen Raum, vorbei an einem Lager für Lautsprechergehäuse und an einem großen Impulsmagnetisator, mit dem die Magnete gefüllt werden, bestehend aus einem Gehäuse mit sehr vielen Kondensatoren und einer Feldspule, durch die kurzzeitig bis zu 40 Kilo-Ampere fließen können.

 

Bild 4: Reflexionsarmer Raum

Im reflexionsarmen Raum werden zum einen Neuentwicklungen getestet, aber auch alle Lautsprecher, die das Werk verlassen. Seit 1994 existieren Datenblätter von jedem Lautsprecher, weshalb man bei einer Reparatur dann immer das Original als Bezug heranziehen kann.

Die elektronischen Filter werden übrigens alle analog hergestellt. Dabei werden Allpässe, im Mittelton- und Hochtonbereich eingesetzt um die Phase zu korregieren. Auf linearphasige Filter verzichtet man bewusst, denn diese ließen sich nur für eine Raumrichtung optimieren. In kleineren Studioboxen für Ü-Wagen etwa, werden auch DSPs benutzt, wobei im DSP lediglich herkömmliche Filter nachgebildet werden, kein FIR-Filter, da im Tieftonbereich dermaßen große Verzögerungen bis zu 20 ms entstehen, dass sie im Studio keinen Sinn machen. 

Als Gehäuse werden klassisch MDF-Gehäuse angeboten, die eine hohe innere Dämpfung aufweisen. Andere Formen, um etwa Beugungen zu minimieren, erfordern einen höheren Aufwand, der aber nicht gerechtfertigt erscheint. Kunden schauen lieber auf eine schöne Farbe oder Holzart. 

Der reflexionsarme Raum, 1984 entstanden als Eigenentwicklung, ist 6 x 6 x 6 Meter groß mit einem sehr gut zu begehenden Gitterboden, der verhältnismäßig wenig schwankt, was an einer sehr starken Vorspannung von 150 KG / Seil liegt. Die Keile haben eine Tiefe von einem Meter, bestehend aus einer mineralischen Wolle, gesprüht mit einem Wasserglas. 

Am Ende des Rundgangs konnten wir noch den Raum besichtigen, in dem alle größeren Geräte montiert werden, wie etwa der 800 und 801, auch Beschallungssysteme. 

Im übrigen sei auf die Homepage von MEG verwiesen.

http://me-geithain.de/index.php/de/studio/firmenprofil/50-jahre-me-geithain

 

Bild 5: Gruppenbild im Vorführraum von MEG

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Nach einer kurzen Busfahrt hatten wir noch Gelegenheit, diverse Studioräume der Fakultät Medien an der Hochschule Mittweida, die sich Hochschule für Angewandte Wissenschaften nennt, zu besichtigen. Unser Leipziger Gruppenleiter, Michael Hösel, ist Dekan in der Fakultät Medien. Das Zuhause der Fakultät ist das 2014 errichtete Zentrum für Medien und Soziale Arbeit.

 

Bild 6: Michael Hösel, Dekan der Fakultät Medien 

Die Hochschule ging hervor aus dem 1865 gegründeten „Technikum Mittweida“. Vor der Wende waren an der Ingenieurhochschule Mittweida etwa 850 Mitarbeiter beschäftigt bei 500 Studenten. Heute sind es etwa 400 Mitarbeiter bei 6.000 Studenten.

In der Fakultät gibt es 4 Studiengänge: Medienmanagement, Media & Acoustical Engineering (früher Medientechnik) und die Masterstudiengänge Media and Communication Studies und Ingenieurakustik (berufsbegleitend). Zusätzlich zu diesem Angebot gibt es ein dezentrales Modell, das sich aber auf mehrere Akademie-Standorte verteilt. Insgesamt studieren über 2000 Studierende an der Fakultät. 

Insgesamt gibt es fünf Fakultäten an der Hochschule, auch noch Ingenieurwissenschaften, Wirtschaftsingenieurwesen, Angewandte Computer- und Biowissenschaften und Soziale Arbeit. 

Nach einem kurzen Einleitungsvortrag nahm die Gruppe an einer Probe des Sendeformats „Soundcheck“ teil. In insgesamt drei Veranstaltungen werden aus jeweils drei teilnehmenden Bands die Gewinner ermittelt, die dann auf dem zweitägigen Campusfestival im Juni neben den Headlinern auf der Bühne stehen.

 

Bild 7: Bandprobe für den „Soundcheck“ 

Nach der kurzen Hörprobe konnten wir die Senderegie besichtigen mit vier HD Kamerazügen und allem, was zu einer Bildregie gehört. An diesem Tag wurde für den Soundcheck geprobt, abends wurde live ins Internet gesendet.

Der Regieraum hat einen eigenen Zuspielraum mit allen möglichen Formaten, 16mm Film ist allerdings nicht mehr dabei. 

Nächste Station war das Tonstudio mit einem ProTools-System und einer 3D-Lautsprecheranordnung, d.h. zusätzlich zur 5 + 1 Anordnung nochmals eine Etage höher vier Lautsprecher (Auro-3D-Format), natürlich alle Lautsprecher von MEG. Angebunden ist der Raum per Dante mit dem Rest der Peripherie. In diesem Studio will man u.a. testen, wie sich ein Ton zu einem bewegten Bild verhält, etwa bei Orchesteraufnahmen.

Eine Besonderheit der Fakultät ist auch, dass man einen eigenen UKW-Sender betreibt, allerdings nur mit einer Leistung von 50 Watt.

Der nächste Raum war ein reines Tonstudio, das erst kürzlich fertig gestellt worden ist, war zuvor ein Büroraum. Mit Hilfe von Jochen Kiesler von MEG sind Schallabsorber eingebaut worden. An der Decke hängen wellenartig Tücher, vor dem Fenster ein schwerer Vorhang. Dieses Studio ist rein analog mit einem kleinen SSL-Pult ausgestattet, an nebenstehenden Racks kann man über Klinkenfelder alle möglichen Arten von Verbindungen zu externen Geräten herstellen. 

Eine Besonderheit stellt zweifelsohne ein Boxenpaar dar, das bei MEG im Rahmen einer Bachelorarbeit für Michael Hösel entwickelt wurde. Bei diesem System kann der Klang von Koaxialanordnungen mit dem Klang von Systemen mit einem Hochtonhorn verglichen werden. 

Eine kleine Diskussionsrunde über Berufsaussichten der Studierenden beschloss unsere Exkursion nach Sachsen.

Text: Theodor Przybilla

Bilder: Albrecht Krieger

 

Veranstaltungskalender 2018

1. 16.6.2018, 11:00 Uhr Besichtigung der Sendeanlagen in Nauen mit Walter Neumann,
Kontakt durch Jörg Knothe
2. 19.9.2018, 18:00 Uhr Werksbesichtigung und Vortrag bei ADAM- Audio im neuen Firmensitz in Berlin Adlershof mit André Zeugner und Peter Weigel
3. 31.10.2018, 16:00 Uhr TU-Berlin – Abteilung: Kommunikationswissenschaft mit Stefan Weinzierl     
4. 5.12.2018, 18:00 Uhr Adventsstammtisch

Ansprechpartner

Leitung

Dipl.-Tonm. Theodor Przybilla

przybillaattonmeister.de

Theodor Przybilla

Stellvertreter

Dipl.-Ing. Albrecht Krieger

albrecht.kriegeratt-online.de

Albrecht Krieger

 

Die Regionalgruppe Berlin und ihre Leiter stellen sich vor

Die Gruppe Berlin umfasst mit Stand Mai 2014 über 340 Mitglieder. Sie ist sehr durchwachsen. Sie setzt sich zusammen aus Studenten, Angestellten Freiberuflern Unternehmern, Lehrpersonal und Ruheständlern. Ebenso ist eine sehr breite Palette an Betätigungsfeldern zu finden.

Eine Fülle an attraktiven Veranstaltungen innerhalb eines Jahres soll das Interesse am VDT wecken und aufrecht erhalten. Hierbei wird jeweils ein breites Angebot an unterschiedlichen Veranstaltungen angestrebt. Um möglichst vielen die Gelegenheit an einer Teilnahme zu ermöglichen, soll möglichst gleich zu Beginn eines Jahres den Mitgliedern ein Jahresprogramm mit konkreten Veranstaltungsterminen unterbreitet werden. Die letzte Veranstaltung jeweils eines Jahres soll ein „Adventsstammtisch“ sein, geplant ist hierbei jeweils eine „Überraschung“. Die Veranstaltungen sollen sich nicht auf Berlin allein begrenzen, sondern auch das Umland einschließen. Gedacht ist auch an terrainübergreifende Veranstaltungen mit Nachbargruppen.

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